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Selldi vs. OroCommerce: Welche B2B-Plattform passt zu Ihrem Großhandel?

Ein B2B-E-Commerce-Dashboard am Laptop im Großhandelsbüro

OroCommerce ist eine quelloffene, sehr flexible B2B-Plattform mit eingebautem CRM, Workflow-Engine und Firmenkonten-Hierarchien, ausgelegt auf große Unternehmen mit eigenen Entwicklern und Budget für längere Einführungen. Selldi ist ein fertiges All-in-one-Vertriebssystem für KMU-Großhändler, das B2B, B2C, ein Außendienst-CRM, Verkaufskanäle und KI-gestützte Auftragserfassung mitbringt und jedes ERP per API anbindet. Faustregel: OroCommerce, wenn Sie tiefe individuelle Prozesse und Entwicklerressourcen haben. Selldi, wenn Sie schnell und ohne großes Technikteam starten wollen.

Wenn ein Großhändler seinen Vertrieb digitalisieren will, stößt er schnell auf zwei sehr unterschiedliche Wege. Der eine ist eine leistungsstarke, quelloffene Plattform, die man weitgehend selbst formt. Der andere ist ein fertiges System, das man einrichtet und startet. OroCommerce steht für den ersten Weg, Selldi für den zweiten. Beide sind ernstzunehmende B2B-Lösungen, aber sie richten sich an verschiedene Unternehmen. Dieser Vergleich soll Ihnen helfen, ehrlich einzuschätzen, welcher Weg zu Ihrer Firma passt, ohne den jeweils anderen schlechtzureden.

Was ist OroCommerce?

OroCommerce ist eine quelloffene B2B-Plattform, die von einem Team entwickelt wurde, das zuvor an Magento gearbeitet hat. Anders als klassische Handelssysteme wurde sie von Grund auf für den Geschäftskundenvertrieb konzipiert. Das merkt man an den Funktionen: Firmenkonten mit mehrstufigen Hierarchien, individuelle Preislisten, Angebotsanfragen und Konfigurieren-Preis-Angebot-Prozesse gehören zum Kern und sind keine nachträglichen Anbauten.

Zwei Dinge machen OroCommerce besonders. Erstens das eingebaute CRM, das aus der OroCRM-Herkunft stammt: Leads, Verkaufschancen, Kundenkonten, Aufgaben, E-Mail-Verlauf, Pipeline, Dashboards und Berichte sind direkt Teil der Plattform. Zweitens die Workflow-Engine, mit der sich Freigabeprozesse, Preisregeln und mehrstufige Abläufe in einem Low-Code-Ansatz abbilden lassen. Dazu kommen Mehrmandanten- und Mehr-Website-Betrieb, sodass ein Unternehmen mehrere Marken, Regionen oder Kundengruppen unter einem Dach führen kann. Die Community Edition ist quelloffen unter der OSL-3.0-Lizenz verfügbar, die Enterprise Edition bringt SLA-gestützten Support und den Zugang zum Partnernetzwerk.

Die Stärken von OroCommerce

Die größte Stärke von OroCommerce ist die Tiefe und die Freiheit. Weil der Quellcode offenliegt und die Architektur auf Erweiterbarkeit ausgelegt ist, lässt sich fast jeder Geschäftsprozess exakt so abbilden, wie ein Unternehmen ihn braucht. Für große Organisationen mit komplexen Genehmigungsketten, ungewöhnlichen Preismodellen oder branchenspezifischen Anforderungen ist das ein echter Vorteil. Man ist an keinen Anbieter gebunden, kann selbst hosten und über eine API-first-Architektur ERP-, PIM- und WMS-Systeme tief integrieren.

Auch das native CRM ist ein Pluspunkt: Vertrieb und Handel laufen in derselben Datenbasis, ohne dass man zwei Systeme koppeln muss. Wer die Ressourcen hat, diese Möglichkeiten auszuschöpfen, bekommt eine Plattform, die mit sehr anspruchsvollen Anforderungen mitwächst.

Die ehrlichen Kompromisse bei OroCommerce

Diese Flexibilität hat einen Preis, und der ist vor allem technischer Natur. OroCommerce gilt als entwicklerlastig. Nutzerberichte auf Vergleichsportalen loben die Anpassbarkeit, nennen aber Bedienbarkeit und Einführungsgeschwindigkeit regelmäßig als Schwachpunkte. Anpassungsintensive Projekte dauern nicht selten sechs bis zwölf Monate. Die Plattform wird als monolithisch beschrieben, der Technologie-Stack ist umfangreich, und die Lernkurve ist lang: Für Entwickler ohne Vorerfahrung kann es Monate dauern, bis sie das System sicher beherrschen.

Das führt zu einer praktischen Abhängigkeit: Für viele Änderungen braucht man Entwickler. Wenn Marketing oder Vertrieb schnell reagieren wollen, kann das Warten auf Sprint-Zyklen zum Bremsklotz werden. Hinzu kommen die Gesamtkosten aus Infrastruktur, Entwicklung und Wartung, die höher liegen als bei fertigen Cloud-Lösungen, sowie stellenweise lückenhafte Dokumentation. All das ist kein Makel, sondern schlicht das Profil eines mächtigen Werkzeugs, das für Unternehmen mit eigenem Technikteam oder festem Implementierungspartner gedacht ist.

Was ist Selldi?

Selldi verfolgt einen anderen Ansatz. Es ist ein fertiges All-in-one-Vertriebssystem für kleine und mittlere Großhändler, das die üblichen Bausteine bereits mitbringt, statt sie erst zusammensetzen zu lassen. Enthalten sind ein B2B-Bereich mit kundenindividuellen Preisen, Kreditlimits, Schnell-Bestelllisten, wiederkehrenden Bestellungen und Angebotsanfragen, ein B2C-Bereich für Endkundengeschäft, ein CRM für den Außendienst, das Modul CENTER für Verkaufskanäle inklusive Allegro und Amazon sowie Integrationen, und der AI Email Reader, der Bestellungen aus E-Mails, PDF- und Excel-Dateien ausliest und ins ERP überträgt.

Statt ein bestimmtes ERP vorzuschreiben, bindet Selldi jedes gängige System per API an, etwa SAP, Microsoft Dynamics oder NetSuite. Mehrere Währungen, acht Sprachen und grenzüberschreitender Vertrieb innerhalb der EU sind eingebaut, was besonders für exportierende Händler zählt. Der übliche Ablauf ist eine Demo vor der Entscheidung, danach Abo oder Lizenz.

Der Kernunterschied

Der wichtigste Unterschied lässt sich in einem Satz fassen: OroCommerce ist ein flexibles Fundament, das Sie ausbauen; Selldi ist ein fertiges Haus, in das Sie einziehen. Bei OroCommerce entscheiden Sie über nahezu jedes Detail, tragen dafür aber die Verantwortung für Entwicklung, Betrieb und Wartung. Bei Selldi sind die typischen Großhandelsfunktionen bereits vorhanden und aufeinander abgestimmt, sodass ein Team ohne eigene Entwickler damit arbeiten kann.

Ein weiterer Unterschied ist die Reichweite. OroCommerce konzentriert sich sehr stark auf tiefen B2B-Handel. Selldi deckt B2B und B2C in einem System ab und ergänzt das um Außendienst-CRM und Verkaufskanäle, was für Händler nützlich ist, die mehrere Absatzwege gleichzeitig bedienen. Und der AI Email Reader adressiert einen Alltag, den viele Großhändler kennen: Ein großer Teil der Bestellungen kommt weiterhin per E-Mail, und die manuelle Erfassung kostet Zeit.

Wann OroCommerce die richtige Wahl ist

  • Sie sind ein großes Unternehmen mit sehr individuellen, komplexen Geschäftsprozessen, die sich nicht in ein Standardsystem pressen lassen.
  • Sie haben ein eigenes Entwicklungsteam oder einen festen Implementierungspartner und Budget für eine mehrmonatige Einführung.
  • Sie legen Wert auf quelloffenen Code, Selbst-Hosting und maximale Kontrolle über die Plattform.
  • Sie betreiben mehrere Marken, Websites oder Regionen mit unterschiedlichen Regeln unter einem Dach.

Wann Selldi die bessere Wahl ist

  • Sie sind ein KMU-Großhändler und wollen zügig starten, ohne monatelanges Projekt und ohne eigenes Technikteam.
  • Sie brauchen B2B und B2C zusammen mit einem Außendienst-CRM und Verkaufskanälen wie Allegro oder Amazon in einem System.
  • Ein großer Teil Ihrer Bestellungen kommt per E-Mail, PDF oder Excel, und die manuelle Erfassung soll wegfallen.
  • Sie möchten Ihr bestehendes ERP wie SAP, Dynamics oder NetSuite anbinden, statt es zu ersetzen.

Wann keines von beiden passt

Ehrlich bleibt auch: Nicht jeder Betrieb braucht eine dieser Plattformen. Wenn Sie nur eine Handvoll Stammkunden haben, die per Telefon oder E-Mail bestellen, und kein Wachstum über neue Kanäle planen, ist ein volles B2B-System oft überdimensioniert. Wer nur ein reines Endkundengeschäft ohne Firmenkunden, ohne individuelle Preise und ohne ERP-Bedarf führt, ist mit einer schlanken Standardlösung meist besser bedient. Und wenn Ihr Kern in einem sehr speziellen, stark regulierten Nischenprozess liegt, den weder ein fertiges System noch eine flexible Plattform ohne enormen Aufwand abbilden kann, lohnt sich zuerst eine saubere Anforderungsanalyse, bevor Sie sich für irgendein Werkzeug entscheiden.

Am Ende geht es nicht um besser oder schlechter, sondern um Passung. OroCommerce ist stark, wenn Tiefe, Kontrolle und eigene Entwicklungskapazität zusammenkommen. Selldi ist stark, wenn ein Großhandel schnell, ohne großes Technikteam und mit allen Vertriebskanälen unter einem Dach loslegen will. Wer beide Optionen offen an den eigenen Anforderungen misst und eine Demo nutzt, findet die richtige Antwort meist rasch.

Häufige Fragen

Ist OroCommerce kostenlos, weil es Open Source ist?

Die Community Edition ist quelloffen unter der OSL-3.0-Lizenz verfügbar. Kostenlos ist damit aber nur der Code. Für Betrieb, Infrastruktur, Entwicklung und Wartung fallen Kosten an, und die Enterprise Edition mit SLA-Support ist kostenpflichtig. In der Praxis liegen die Gesamtkosten oft höher als bei einer fertigen Cloud-Lösung.

Brauche ich für Selldi eigene Entwickler?

Nein. Selldi ist ein fertiges All-in-one-System, das die typischen Großhandelsfunktionen bereits mitbringt und einsatzbereit eingerichtet wird. Ihr Team kann ohne eigene Programmierer damit arbeiten. Die ERP-Anbindung an SAP, Dynamics oder NetSuite läuft über eine API und wird im Zuge der Einführung eingerichtet.

Hat Selldi wie OroCommerce ein eingebautes CRM?

Ja, Selldi bringt ein CRM für den Außendienst mit, das mit dem Handel im selben System läuft. Der Fokus liegt auf der Vertriebsarbeit von KMU-Großhändlern. OroCommerce bietet ein tiefes, sehr anpassbares Enterprise-CRM, das jedoch entsprechend mehr technische Einrichtung erfordert.

Wie lange dauert die Einführung im Vergleich?

OroCommerce-Projekte mit vielen Anpassungen dauern häufig sechs bis zwölf Monate, weil viel individuell entwickelt wird. Selldi ist als fertiges System deutlich schneller startklar, da die Funktionen bereits vorhanden sind und im Wesentlichen eingerichtet statt gebaut werden. Vor der Entscheidung steht bei Selldi eine Demo.