Selldi vs. Salesforce: All-in-one oder Enterprise-CRM?
Selldi und Salesforce lösen unterschiedliche Aufgaben und spielen in unterschiedlichen Ligen. Selldi ist eine fertige All-in-one-Vertriebsplattform für Großhändler, die B2B-Shop, kundenindividuelle Preise, Nachbestellung, ERP-Anbindung, KI-Auftragserfassung und ein leichtes Außendienst-CRM in einem System vereint. Salesforce ist das weltweit führende Enterprise-CRM: extrem tief, hochgradig anpassbar und teuer, wobei das CRM (Sales Cloud) und der B2B-Shop (Commerce Cloud) getrennte, einzeln lizenzierte Produkte sind, die integriert werden müssen. Für einen mittelständischen Großhändler ist Selldi schneller und ohne Enterprise-Budget startklar; Salesforce lohnt sich bei komplexen Vertriebsorganisationen mit eigenem Admin-Team und passendem Budget.
Dieselbe Branche, zwei völlig verschiedene Werkzeuge
Stellen Sie sich einen Sanitärgroßhändler mit 35 Mitarbeitern vor. Die Bestellungen kommen morgens als PDF, als Excel-Liste und als freier E-Mail-Text herein, jeder Stammkunde hat seine eigene Preisstaffel, der Außendienst pflegt Kontakte in Notizen und Tabellen, und alle Bestände liegen im ERP. Dieser Betrieb sucht kein Baukastenprojekt, sondern ein System, das am Montag den Shop öffnet, jedem Kunden seinen Preis zeigt und die Bestell-E-Mails automatisch in Aufträge verwandelt. Genau hier trennen sich Selldi und Salesforce.
Salesforce ist kein fertiges Großhandelsprodukt, sondern eine Plattform aus Plattformen. Selldi ist die umgekehrte Idee: eine gebündelte Anwendung, die für den Handel vorkonfiguriert ist. Beide können einem Distributor helfen, doch der Weg dorthin, die Kosten und die nötige interne Mannschaft unterscheiden sich grundlegend.
Was Selldi ist: eine fertige All-in-one-Lösung
Selldi bündelt in einem einzigen System auf gemeinsamem Katalog, Lagerbestand, Kundenstamm und Preismodell die Werkzeuge, die ein Handelsbetrieb täglich braucht. Dazu gehören das B2B-Kundenportal (jeder Einkäufer meldet sich an und sieht seinen eigenen Vertrags- oder Staffelpreis, Live-Bestand, Bestellhistorie, Ein-Klick-Nachbestellung und Schnellerfassung über die Artikelnummer), ein optionaler B2C-Shop auf demselben Katalog, ein CRM für den Außendienst, ein Steuerungs-Hub für Produkte, Preise und Verkaufskanäle sowie ein KI-E-Mail-Leser, der eingehende Bestell-E-Mails automatisch in strukturierte Aufträge übersetzt.
Wichtig für die Einordnung: Selldi ist bewusst eine fokussierte Lösung für den Mittelstand, schnell einführbar und für Großhändler kalkuliert. Es versucht nicht, den Funktionsumfang von Salesforce oder einer ERP-Suite zu übertreffen. Seine Stärke ist, dass alles aus einer Hand kommt, während das ERP über eine API angebunden bleibt und die führende Quelle für Preise, Bestände, Kunden und Belege ist (etwa SAP, Microsoft Dynamics oder NetSuite).
Was Salesforce ist: das mächtige Enterprise-CRM
Salesforce ist der größte Cloud-CRM-Anbieter der Welt. Für einen Handelsbetrieb sind vor allem drei separate Produkte relevant: Sales Cloud (das eigentliche CRM mit Leads, Accounts, Opportunities, Pipeline, Forecasting und CPQ-Angebotserstellung sowie der KI Einstein und den autonomen Agentforce-Agenten), B2B Commerce Cloud (ein eigenständiges Produkt für B2B-Self-Service-Shops mit kontobasierten Großhandelspreisen und Einkäuferportalen) und Experience Cloud für Händler- und Distributorenportale.
Entscheidend ist: Salesforce ist eine CRM- und Commerce-Schicht, kein ERP. Es führt keine eigenen Bestände, keine Inventur, keine Rechnungen und keine Lieferbelege. Kundenindividuelle Preise und Live-Bestand im Shop hängen davon ab, dass ein separates ERP angebunden wird, was Dritte häufig als den größten einzelnen Kostentreiber eines Projekts nennen. Wer als Großhändler CRM und Shop von Salesforce will, muss also mehrere Clouds getrennt lizenzieren und integrieren, das Gegenteil einer Plattform auf gemeinsamer Datenbasis.
Preise und Gesamtkosten im Vergleich
Salesforce wird pro Produkt und meist pro Nutzer und Monat abgerechnet, jährlich im Voraus. Die Sales-Cloud-Editionen reichen von Starter Suite über Pro Suite, Enterprise und Unlimited bis Agentforce 1 Sales, jeweils pro Nutzer/Monat abgerechnet; die KI-Add-ons werden separat pro Nutzer/Monat berechnet. Die Listenpreise werden regelmäßig angehoben, prüfen Sie daher die aktuellen Preise beim Anbieter. Die B2B Commerce Cloud wird separat über ein GMV-Modell (ein Prozentsatz des Bruttowarenwerts) abgerechnet, ohne öffentlichen Tarif und nur über den Vertrieb.
- Lizenzen sind nur der Anfang: Die Einführung der B2B Commerce Cloud erreicht typischerweise einen hohen sechs- bis siebenstelligen Betrag, CRM-Rollouts reichen von mehreren Zehntausend bis in die Hunderttausende.
- Analysen Dritter berichten, dass die Implementierung meist das Zwei- bis Dreifache der jährlichen Lizenzgebühr ausmacht.
- Die Gesamtkosten (TCO) werden häufig deutlich unterschätzt, weil nur die Nutzerlizenzen eingeplant werden.
- Rabatte auf den Listenpreis sind bei Mehrjahresverträgen üblich.
Selldi verfolgt den entgegengesetzten Ansatz: eine gebündelte, für Großhändler kalkulierte Lösung ohne separate CRM-, Commerce- und Integrationsbudgets in Enterprise-Höhe. Für einen mittelständischen Distributor ist das der pragmatischere Kostenrahmen; für einen Konzern mit hunderten Vertrieblern und komplexen Anforderungen kann sich das Salesforce-Investment dagegen rechnen.
Einführungszeit und laufender Aufwand
Salesforce-Implementierungen der B2B Commerce Cloud laufen typischerweise vier bis sechs Monate bis zum Go-Live und benötigen in der Regel dedizierte Admins oder externe Berater. Das ist kein Nachteil, sondern der Preis der nahezu grenzenlosen Anpassbarkeit: Salesforce ist ein Baukasten, der auf die eigene Vertriebsorganisation zugeschnitten wird. Für Teams mit klaren, geradlinigen Anforderungen wird es jedoch breit als überdimensioniert beschrieben.
Selldi ist als fertige Anwendung darauf ausgelegt, schnell startklar zu sein, weil die typischen Großhandelsabläufe (Preisstaffeln, Nachbestellung, Schnellerfassung, Kreditlimits, Rechnungen und Lieferbelege) bereits eingebaut sind. Der KI-E-Mail-Leser für eingehende Bestellungen ist ebenfalls sofort verfügbar, während dieselbe Funktion bei Salesforce nicht ab Werk existiert und individuell entwickelt werden müsste.
Wo Salesforce klar die bessere Wahl ist
Fairerweise gehört gesagt: In mehreren Bereichen ist Salesforce Selldi deutlich überlegen, und für die richtige Firma ist genau das den Aufwand wert. Salesforce bietet ein marktführendes, extrem tiefes CRM mit Pipeline, Forecasting, CPQ und starkem Reporting, branchenführende KI (Einstein-Prognosen plus autonome Agentforce-Agenten) sowie eine nahezu grenzenlose Anpassbarkeit mit dem größten Partner- und App-Ökosystem der Branche (AppExchange) und tausenden zertifizierten Beratern.
Salesforce skaliert bis zum globalen Konzern mit riesigen Datenmengen, reifer Sicherheit und Compliance. Wenn Sie komplexe Produkte konfigurieren müssen (CPQ), Händler- und Distributorenportale über die Experience Cloud brauchen, ausgefeiltes Marketing und Service über weitere Clouds abbilden wollen und ein eigenes Admin-Team dafür haben, ist Salesforce die stärkere Plattform. Selldi tritt hier bewusst nicht an; es ist keine Enterprise-Suite.
Wann Selldi passt und wann nicht
Selldi ist die richtige Wahl für den Großhändler, Distributor oder Hersteller, der einen B2B-Auftritt mit kundenindividuellen Preisen, Nachbestellung, ERP-Anbindung, KI-Auftragserfassung und ein leichtes Außendienst-CRM ohne Enterprise-Budget will, und zwar aus einem System auf gemeinsamer Datenbasis. Auch für den grenzüberschreitenden Handel in der EU (mehrere Währungen, mehrsprachig, in acht Sprachen verfügbar) ist es zugeschnitten.
Selldi passt nicht, wenn Sie eine hochgradig individuelle CRM-Prozesslandschaft mit tiefem Forecasting, mehreren Marketing- und Service-Clouds und konzernweiter Skalierung benötigen und dafür ein eigenes Team stellen. Dann ist Salesforce trotz höherer Kosten und längerer Einführung die passendere Antwort. Kurz gesagt: Selldi gewinnt beim Handel aus einer Hand, Salesforce bei Tiefe, Ökosystem und sehr großer Skalierung.
Häufige Fragen
Kann Salesforce alles, was Selldi kann?
In der Summe ja, aber nicht aus einem Produkt. Für kundenindividuelle Preise, Nachbestellung und ein Einkäuferportal brauchen Sie die B2B Commerce Cloud, für das Vertriebs-CRM die Sales Cloud, dazu die ERP-Anbindung. Diese Clouds werden getrennt lizenziert und integriert. Selldi bündelt dieselben Handelsfunktionen in einem System auf gemeinsamer Datenbasis, inklusive KI-Auftragserfassung ab Werk.
Was kostet Salesforce für einen Großhändler wirklich?
Deutlich mehr als die Nutzerlizenzen vermuten lassen. Sales Cloud wird pro Nutzer/Monat über mehrere Editionen abgerechnet, die B2B Commerce Cloud über einen Prozentsatz des Bruttowarenwerts. Hinzu kommt die Einführung, deren Kosten das eigentliche Projekt dominieren. Dritte berichten, dass die Implementierung das Zwei- bis Dreifache der Jahreslizenz ausmacht und die Gesamtkosten oft deutlich unterschätzt werden.
Ist Salesforce ein ERP?
Nein. Salesforce ist eine CRM- und Commerce-Plattform, kein ERP. Es führt keine eigenen Bestände, keine Inventur, keine Rechnungen und keine Lieferbelege. Live-Bestand und kundenindividuelle Preise im Shop hängen von einem separat angebundenen ERP ab, das Dritte häufig als größten einzelnen Kostentreiber nennen. Selldi bindet Ihr ERP ebenfalls per API an, liefert die Handelsfunktionen darum herum aber fertig mit.
Wie lange dauert die Einführung im Vergleich?
B2B-Commerce-Projekte bei Salesforce laufen typischerweise vier bis sechs Monate bis zum Go-Live und benötigen in der Regel dedizierte Admins oder Berater. Selldi ist als fertige Anwendung darauf ausgelegt, schnell startklar zu sein, weil Preisstaffeln, Nachbestellung, Kreditlimits und die KI-Bestellerfassung bereits eingebaut sind. Der genaue Zeitrahmen hängt bei beiden von Umfang und ERP-Anbindung ab.
Für wen ist Salesforce trotz Kosten die bessere Wahl?
Für mittelgroße bis große Vertriebsorganisationen mit komplexen Prozessen, eigenem Admin-Team und Enterprise-Budget. Salesforce glänzt bei tiefem CRM und Forecasting, führender KI (Einstein, Agentforce), nahezu grenzenloser Anpassbarkeit über das größte Partner-Ökosystem, konzernweiter Skalierung, CPQ für komplexe Produkte und Händlerportalen über die Experience Cloud. Wer diese Tiefe braucht und stemmen kann, ist dort besser aufgehoben.
Verarbeitet Salesforce eingehende Bestell-E-Mails automatisch?
Nicht als Standardfunktion. Eingehende Bestell-E-Mails als PDF, Excel oder freien Text automatisch in strukturierte Aufträge zu verwandeln, ist bei Salesforce keine Lösung von der Stange und müsste individuell entwickelt werden. Selldi bringt diesen KI-E-Mail-Leser fertig mit, was für Großhändler mit hohem Volumen an E-Mail-Bestellungen ein zentraler praktischer Unterschied im Tagesgeschäft ist.