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Selldi vs. Shopware: B2B-Plattform für den Großhandel

Lager eines Großhandels mit Regalen und Kommissionierung, Symbolbild für B2B-Vertriebsplattformen

Shopware und Selldi lösen unterschiedliche Aufgaben. Shopware 6 ist eine offene, hoch anpassbare Commerce-Engine (MIT-Lizenz, API-first), deren B2B-Funktionen erst ab der Evolve-Edition und in der Regel über einen Integrator verfügbar werden; ein natives ERP, ein Außendienst-CRM und eine KI-gestützte E-Mail-Auftragserfassung gehören nicht zum Kern. Selldi ist eine All-in-one-Vertriebsplattform, die B2B-Shop, B2C, Außendienst-CRM, Verkaufskanäle, KI-Auftragserfassung und ERP-Anbindung in einem System bündelt und schnell einsatzbereit ist. Für DACH-Großhändler mit eigenem Entwicklungsteam und großem Projektbudget ist Shopware bei Flexibilität und Ökosystem stärker; wer schnell ein komplettes Handelssystem ohne mehrmonatiges Agenturprojekt braucht, ist mit Selldi meist besser bedient.

Der Kernunterschied: Commerce-Engine gegen Vertriebssystem

Shopware ist eine Commerce-Engine. Man kauft eine sehr leistungsfähige, offene Basis und baut darauf den Shop, den man haben möchte. Das ist die Stärke und zugleich der Preis: Was über den reinen Onlineshop hinausgeht, wird angebaut, integriert oder programmiert. Selldi geht den umgekehrten Weg. Statt einer Engine erhalten Sie ein fertiges Handelssystem, in dem sich B2B-Shop, optionaler B2C-Storefront, das CRM für den Außendienst, die Kanalsteuerung und die ERP-Schnittstelle denselben Katalog, dieselben Bestände, Kundendaten und Preise teilen. Der Leitsatz lautet: ein System statt fünf Werkzeugen.

Wo Shopware wirklich stark ist

Man sollte Shopware nicht kleinreden, denn in mehreren Punkten ist es die reifere Plattform. Wer volle Kontrolle über die Storefront und den Code will, findet kaum etwas Vergleichbares im deutschen Markt.

  • Echte Offenheit: Shopware 6 ist Open Source unter MIT-Lizenz, auf Symfony (PHP) und Vue aufgebaut, mit vollem Zugriff auf den Quellcode und ohne Black-Box-Bindung.
  • Riesiges DACH-Ökosystem: über 1.500 Erweiterungen sowie eine große Agentur- und Entwicklergemeinschaft, gerade im deutschsprachigen Raum.
  • Storefront-Flexibilität und headless Architektur: nahezu jede gewünschte Einkaufserfahrung lässt sich bauen, self-hosted oder als SaaS.
  • Enterprise-Reife: Mehrlager-Bestände, Abonnements, Digital Sales Rooms sowie formale SLAs mit Telefon- und 24/7-Support auf den höheren Editionen.
  • Ein gut finanziertes, etabliertes Produkt mit langfristiger Perspektive und aktiver Weiterentwicklung.

B2B bei Shopware: die Editionen im Klartext

Für Großhändler ist ein Detail entscheidend: B2B ist bei Shopware in die teureren Editionen verschoben. Die kostenlose Community Edition ist seit März 2025 durch eine Jahresumsatzgrenze (GMV) gedeckelt und enthält keinerlei B2B-Funktionen. Auch die Rise-Edition bringt ausdrücklich kein B2B mit. Firmenkundenkonten, kundenindividuelle Preise und Freigabe-Workflows gibt es erst ab Evolve; die Beyond-Edition liegt noch einmal deutlich höher. Die aktuellen Editionspreise prüfen Sie am besten direkt beim Anbieter. Die B2B-Komponenten selbst sind stark: Firmenkonten, Mitarbeiterrollen und Rechte, Budgets, Angebotsverwaltung, Schnellbestellung und Einkaufslisten. Die kundenindividuelle Preisgestaltung (Individual Pricing) kam allerdings erst im März 2026 zu den B2B Components hinzu.

Wichtig zu wissen ist außerdem der laufende Umbruch: Die ältere B2B Suite wird ab Shopware 6.8 nicht mehr unterstützt, seit Mai 2025 liefern neue Evolve-Installationen nur noch den Nachfolger B2B Components, und ausgerechnet das Außendienst-Modul, mit dem ein Vertreter im Namen des Kunden bestellt, befindet sich dort noch in der Entwicklung. Genau dieser klassische Großhandels-Workflow ist nativ also möglicherweise noch nicht produktionsreif.

Was Shopware nicht mitbringt

Shopware ist eine Commerce-Plattform, keine Business-Suite. Drei Bausteine, die für einen Großhandel im Tagesgeschäft zentral sind, gehören nicht zum Lieferumfang und müssen über die Admin-API, Plugins von Drittanbietern oder Eigenentwicklung ergänzt werden: erstens ein natives ERP, zweitens ein integriertes CRM für den Außendienst, drittens eine KI-gestützte Auftragserfassung aus eingehenden Bestell-E-Mails. Die Anbindung an ERP-Systeme wie SAP oder Microsoft Dynamics erfolgt über die OAuth2-Admin-API, die Produkte, Preise, Bestände, Bestellungen, Kunden und Kundengruppen abdeckt, erfordert aber Entwicklungsaufwand oder fertige Konnektoren.

Wo Selldi für Großhändler punktet

Selldi ist von Grund auf für Handelsbetriebe gebaut, nicht für den Aufbau einer beliebigen Shop-Erfahrung. Jeder eingeloggte Geschäftskunde sieht seinen eigenen Preis (Vertrags-, Gruppen- oder Staffelpreis), den Live-Bestand, seine Bestellhistorie, Nachbestellung per Klick, Schnellerfassung per Artikelnummer sowie Kreditlimits, Rechnungen und Lieferdokumente. Der Außendienst arbeitet im selben System: Kontakte und Aktivitäten, ein gemeinsames Postfach, das Onboarding neuer Kunden auf das B2B-Portal und der Überblick, was jeder Kunde tatsächlich kauft. Über den CENTER-Hub steuern Sie Produkte, Preise und Kanäle, darunter Marktplätze wie Amazon (Allegro im polnischen Markt). Der KI-E-Mail-Leser verwandelt eingehende Bestellungen aus PDF, Excel oder Freitext in strukturierte Aufträge, und die ERP-Anbindung per API lässt praktisch jedes ERP als führendes System bestehen.

Kosten und Time-to-Value

Bei Shopware ist die Lizenz selten der Hauptkostenblock. Sie macht typischerweise nur einen kleineren Teil der Gesamtkosten aus. Bei einem realen B2B-Distributorprojekt entfällt der Großteil auf Einrichtung und das erste Jahr, inklusive Agenturarbeit, Anpassung und Hosting. Beim Self-Hosting kommen Infrastruktur, Sicherheit und Update-Pflege hinzu. Für einen kleinen oder mittleren Großhändler, der schnell live gehen will, ist das ein schwergewichtiger Einstieg. Selldi ist bewusst als fokussierte SMB- und Mid-Market-Plattform positioniert: schnell einsatzbereit und für Handelsbetriebe kalkuliert, ohne verpflichtendes Agenturprojekt.

Wann Shopware die bessere Wahl ist

Seien wir ehrlich: Selldi ist keine Enterprise-Suite und versucht nicht, Shopware oder SAP an Funktionsbreite zu überbieten. Wenn Sie ein internes Entwicklungsteam oder eine feste Shopware-Agentur haben, eine vollständig maßgeschneiderte Storefront wollen, sehr hohe B2C- oder gemischte Volumina fahren und ein echtes Projektbudget mitbringen, dann ist Shopware die stärkere Basis. Auch wer maximale Code-Kontrolle, headless Freiheit und ein breites Erweiterungs-Ökosystem in DACH priorisiert, fährt mit Shopware richtig. Selldi ist dann die bessere Wahl, wenn Sie als Großhändler oder Distributor B2B-Shop, B2C, Außendienst-CRM, Kanäle, KI-Auftragserfassung und ERP-Anbindung als ein zusammenhängendes System brauchen, schnell produktiv sein wollen und kein monatelanges Integrationsprojekt starten möchten.

Häufige Fragen

Enthält Shopware standardmäßig B2B-Funktionen?

Nein. Die kostenlose Community Edition und die Rise-Edition enthalten keine B2B-Funktionen. Firmenkonten, Rollen und Rechte, Freigabe-Workflows und kundenindividuelle Preise gibt es erst ab der Evolve-Edition, meist zuzüglich Umsetzung durch eine Agentur. Die aktuellen Editionspreise prüfen Sie am besten beim Anbieter.

Was kostet eine echte Shopware-B2B-Einführung im Großhandel?

Die Lizenz macht typischerweise nur einen kleineren Teil der Gesamtkosten aus. Bei einem realen B2B-Distributorprojekt entfällt der Großteil auf Einrichtung und das erste Jahr, inklusive Agentur, Anpassung und Hosting. Beim Self-Hosting kommen laufende Kosten für Infrastruktur, Sicherheit und Updates hinzu.

Bringt Selldi eine ERP-Anbindung mit, ohne dass programmiert werden muss?

Selldi verbindet sich per API mit nahezu jedem ERP, etwa SAP, Microsoft Dynamics oder NetSuite, das dann als führendes System für Preise, Bestände, Kunden und Dokumente bestehen bleibt. Die ERP-Integration ist Teil des All-in-one-Ansatzes und muss nicht wie bei einer reinen Commerce-Engine erst über Plugins oder Eigenentwicklung ergänzt werden.

Kann ein Außendienstmitarbeiter im Namen des Kunden bestellen?

Bei Selldi ist der Außendienst über das integrierte CRM Teil des Systems, inklusive Kundenbetreuung und Onboarding auf das B2B-Portal. Bei Shopware existierte diese Vertreter-Funktion in der älteren B2B Suite; im Nachfolger B2B Components befindet sich das Modul noch in der Entwicklung, weshalb dieser Workflow nativ eventuell noch nicht produktionsreif ist.

Was passiert mit der alten Shopware B2B Suite?

Die ältere B2B Suite wird ab Shopware 6.8 nicht mehr unterstützt. Seit Mai 2025 liefern neue Evolve-Installationen ausschließlich den Nachfolger B2B Components. Bestehende B2B-Händler müssen ihre Preis- und Prozesslogik auf die B2B Components migrieren, was zusätzlichen Projektaufwand bedeuten kann.

Für wen ist Shopware statt Selldi die bessere Wahl?

Shopware ist stärker, wenn Sie ein eigenes Entwicklungsteam oder eine Shopware-Agentur, ein echtes Projektbudget und den Wunsch nach einer voll maßgeschneiderten, offenen Storefront haben, besonders bei hohen B2C- oder gemischten Volumina. Selldi passt besser für Großhändler, die schnell ein komplettes Handelssystem ohne mehrmonatiges Integrationsprojekt brauchen.